Cinefacts

Seite 4 von 4 ErsteErste 1234
Ergebnis 61 bis 64 von 64
  1. #61
    Eurokult-Fan
    Registriert seit
    12.05.06
    Alter
    31
    Beiträge
    961

    AW: JERRY COTTON BACK IN ACTION AGAIN!

    So, gestern war’s also soweit; „Constantin-Film zeigt einen Jerry-Cotton-Film“ – wie lange hat man das schon nicht mehr auf großer Leinwand gelesen. Zunächst muss ich sagen, dass ich mit durchaus niedrigen Erwartungen in den Film gegangen bin: zunächst mal sind mir die originalen Cotton-Filme mit George Nader und Heinz Weiss sehr ans Herz gewachsen und haben mein Cotton-Bild seit jeher geprägt. Die Vorab-Kritiker wussten nicht recht mit dem neuen Film etwas anzufangen oder hatten den Streifen soweiso komplett verrissen. Im Vorlauf aufgetauchte Filmsequenzen ließen (speziell durch die bis zur Lächerlichkeit abgerockte Phil-Decker-Interpretation von Christian Ulmen) wieder einmal so ein ganz böses Stück dumdreisten deutschen Blödel- und Balla-Balla-Humors erahnen – und als die Produzenten dann auch noch zugaben, dass aus dem mit einigen humoristischen Attitüden versehen Kriminalfilm nun mittlerweile eine 'Actionkomödie' geworden sei, ließ’ mich schaudern. Um es vorweg zu nehmen: der befürchtete Super-GAU ist zum Glück ausgeblieben.

    Zunächst mal ist die ganze Sache, im Gegensatz zu den komplett ernsten Originalfilmen, eher ironisch und nicht wirklich realitätsnah angelegt. Die Regisseure Boss & Stennert (die auch schon den, im Gegensatz zum Vorgänger wesentlich stimmiger inszenierten „Neues vom Wixxer“ verfilmt hatten) schrieben auch das Drehbuch, dass sich lediglich der Figuren aus den Romanheften bedient und darum eine völlig neue Geschichte erzählt. Durch den betont komischen Grundton ergeben sich auch einige Veränderungen in den Figurentypisierungen:

    - Jerry Cotton ist noch am ehesten der klassische Romanheld – ein Einzelgänger, pflichtbewusst, selbstlos, todesmutig; zwar überzeichnet, aber dennoch recht passend
    - Phil Decker ist hingegen vom integeren, treuen Partner und FBI-Agenten zu einem quasselnden Tölpel umgestrickt worden, der hier mit Jerry erst ‚warm’ werden muss und
    - Mr. High schließlich ist statt eines klar denkenden, edlen Chefs eine schrecklich unsymphatische Opportunistensau, der sich jedweder Meinung zum eigenen Vorteil anschließt und glücklicherweise nicht mehr als eine Nebenrolle innehat

    Alle anderen Figuren sind komplett neu – wenn man mal von der adaptierten Sarah Hunter absieht (die hier als ‚Little Nikita’-Imitation Darryl Zanuck agiert und Jerry wg. Mordes jagt) – und fügen sich in die Konstellation der Grundgeschichte ganz gut ein. Kuriositäten sind naturgemäß dabei, wie etwa der meterdick schwäbelnde Handicaped-Gangster Klaus Schmidt, aber ansonsten sind mit der offenherzigen Femme Fatale Malena oder dem däppert agierenden Eintänzer Ruby typische Klischees abgearbeitet.

    Verkörpert werden diese Figuren passend, als neuer Cotton kann Christian Tramitz für mich sehr überzeugen und den saucoolen und einzelgängerischen FBI-Man glaubhaft darstellen, sogar Ulmen (Decker) ist zu meiner Überraschung recht erträglich als vom Pech verfolgter Neuling, der zum Ende hin dann auch dienstlich endlich mal was auf die Reihe kriegt und einem dann sogar sympathisch wird. Herbert Knaup (High), spätestens seit "Anatomie II" abboniert auf die schmierigen Charaktere, kann aus seinem Mistpart kaum was machen (wie auch?), Christiane Paul (Zanuck) meistert ihre brettharte Dienstaufsichtsbeamtin mit dunkler Seite solide. Jürgen Tarrach (Ruby) liefert brauchbares Schauspiel von der Stange – diese Rollen spielt gerade er im Schlaf, die Gastauftritte bekannter Akteure wie Moritz Bleibtreu, Christoph Maria Herbst, Bastian Pastewka, Günther Kaufmann und Oliver Kalkofe sind durchaus stimmig und nicht grundlos übertrieben wie in anderen Produktionen. Mónica Cruz ist als Blickfang naturgemäß eine absolute Augenweide und kann damit auch kaschieren, dass ihr Part nicht wirklich wichtig und die Figur reichlich eindimensional ist – dieses Schicksal teilt sie jedoch mit vielen, vielen Schauspielerinnen in solchen ‚Männerfilmen’. Der Einzige, der neben Tramitz und Ulmen, restlos glaubhaft agiert und trotzdem den richtigen (Humor)-Ton trifft ist Heino Ferch (Schmidt), der seine absurde Rolle sehr schön gestaltet und dank Vokalcoaches sogar die schwäbische Mundart stimmig drauf hat. Dafür einen Orden.

    Erzählt ist der Streifen recht flüssig, Running-Gags wie Jerry’s Aufzähle, wie viele Stunden er mittlerweile nicht geschlafen habe, sind witzig und gut eingefügt, Erzählebenen speziell im letzten Drittel sinnvoll verknüpft.

    Bildtechnisch ist man auf der Höhe, dass der Streifen komplett in Deutschland entstand und das New-York-Flair erst in der Nachbereitung eingearbeitet wurde sieht man ihm nicht an; atmosphärisch finde ich das alles, wenn auch partiell überzeichnet, sowieso sehr stimmig und von der Kamera geschickt eingefangen. Das der Film klar amerikanisch aussieht (und nicht wie die alten Streifen nur amerikanisch wirken soll, aber seine deutsche Herkunft nicht verleugnen kann) kann man werten wie man will – positiv oder negativ, dass sei dahingestellt. Lassen muss man jedoch, dass jedes Bild sehr ‚komponiert’ ist und gut aussieht.

    Die Musik enthält neben dem originalen, stimmungsvollen Score viele Songs (wie etwa ein im Verbund mit dem Bild passender „Theme from S.W.A.T.“-Remix) sowie das klassische Jerry-Cotton-Thema von Peter Thomas, der neben den Komponisten Zerlett & Zirngibl sogar großformatig im Abspann erscheint.

    Natürlich finde ich es immer wieder schade, dass man in Deutschland nicht mehr den Mut hat einen ernsthaften GENREfilm zu inszenieren – entweder es geht auf der humoristischen Ebene (mehr oder – in den meisten Fällen – gar nicht gelungen) oder gar nicht. Gesamthaft kann ich nur hoffen, dass dem Film seine Unentschlossenheit in der stilistischen Linie nicht zum Verhängnis beim Zuschauer wird, denn:

    das Jungpublikum, dass durch den dicken Tramitz auf dem Cover geblendet, eine infantil-lustige Kommödie mit Gagdichte 10 ½ Sekunden erwartet, wird maßlos enttäuscht sein, da das bei „Jerry Cotton“ nicht eintritt. Entgegen des Trailers, der sich ausschließlich auf solche Szenen bezieht (jeder Marketingchef weiss warum), ist „Jerry Cotton“ eine eher ruhig erzählte Krimikomödie die eher mit Understatement glänzt – einzig die Ulmen-Rolle ist ab und an mal wieder typisch deutscher Holzhammerhumor.

    das Jungpublikum, das sich einen temporeichen Actionfilm erhofft, der völlig ohne Hirn beim Zuschauer funktionieren würde, werden ebenfalls enttäuscht sein – dazu ist „Jerry Cotton“ (trotz zwar netter, aber im Gesamtfluss schon wieder fast unpassender „Matrix“-Anleihen) ein viel zu ruhig, unaufgeregt und langsam erzählter Film.

    ... und diejenigen, die sich eine Fortsetzung der klassischen Cotton-Geschichten (ob nun aus Romanen oder Filmen bekannt) erwarten, werden auch nicht unbedingt begeistert sein darüber, dass man das bekannte Figurenkonzept so munter durcheinander würfelte.

    Im Gesamteindruck muss ich sagen, dass ich entgegen meiner Bedenken, gerade durch die dann doch recht ruhige, ausgewogene Inszenierung als ironische Krimikomödie von den Film 90 Minuten sehr gut unterhalten worden bin und es nicht bereut habe, dafür Geld ausgeben zu haben. Fast möchte ich sagen, dass auch dieser Cotton-Ansatz (mit leichten Veränderung in der Ausrichtung, hin zu noch mehr Ernsthaftigkeit) durchaus das Zeug zu einer Serie hätte – mal sehen, welche Sprache die Besucherzahlen letztendlich sprechen.

    Gruß
    Joe Walker

  2. #62
    CouchPotato
    Gast

    AW: JERRY COTTON BACK IN ACTION AGAIN!

    JERRY COTTON mit Christan Tramitz

    Zunächst mal sei erwähnt, daß ausnahmslos ALLE Gags schon in den beiden Trailern verbraten worden sind. Und soo viele Gags und erst recht nicht soo viele gute Gags gibt es denn auch gar nicht. Der Film ist einigermaßen sympathisch und unterhaltsam was vornehmlich an Christian Tramitz als auf der "Wixxer"-erprobten mit Verschachtelungen und Regie-Gimmicks technischer Art bespickten Inszenierung, sowie der Musik von Helmut Zerlett liegt, die aber leider nur zwei mal das Original-Jerry-Cotton-Theme kurz zitiert, jedoch niemals in voller Blüte orchestral ausführt.
    Ein Rohrkrepierer ganz besonderer Art ist der Co-Star von Tramitz. Keine Ahnung wo sie diesen talentlosen Typen, der Phil Decker spielt aufgetan haben, er ist und bleibt eine einzige Peinlichkeit, besonders seine womöglich bei Mike Myers abgekupferte Austin Powers-Verkleidereien mit falschen Latex-Gesichtern usw. und die waren dort damals hochnotpeinlich, inklusive der Austin Powers-Filmchen. In der Peinlichkeits-Skala getoppt wird Tramitz' Co-Star in JERRY COTTON nur noch von Heino Ferchs total mißratener Figur. Wer zum Henker ließ sich die soo einfallen und dachte das sei witzig? Und WER zum Geier ließ Ferch als deutschen Gangster in NYC dies entsetzliche Schwäbisch schwätze? Ich mein, nicht nur daß diese Art Gags einen Typen in einem Auslandsfilm Schwäbisch oder Sächsisch parlieren zu lassen war allenfalls in den Filmen der 60er, 70er, 80er Jahre in einem Synchron-Gag witzig, aber doch bitte nicht heute. Und schon gar nicht in einem deutschen Film, der in New York spielt. Und WENN man den Schurken Schwäbisch schwätzen läßt, dann nimmt man entweder einen Schauspieler, der des Schwäbischen auch mächtig ist, was Ferch ganz offenbar zu keiner Zeit war ODER aber man gibt ihm einen gescheiten Dialekt-Coach, der ihm dies auch richtig eintrichtert. So war die peinliche Schwäbisch-Nummer an sich NOCH peinlicher da sie so dilettantisch umgesetzt wurde von Ferch.

    Positiv am Film ist eindeutig wie gut er in den Außenaufnahmen stimmig auf New York getrimmt wurde obwohl er zum Großteil in Hamburg, Berlin und Babelsberg gedreht wurde. Christiane Paul war noch ein kleiner Lichtblick, sowie die netten Opening Credits. Ansonsten wars ganz ganz finster um dieses Komödchen bestellt. Und das wo doch Tramitz in "Neues vom Wixxer" eine solch gute Figur als Privatermittler gemacht hatte und quasi da schon erahnen ließ welch famosen Jerry Cotton er abgeben KÖNNTE. Der Film wollte laut Machern keine Parodie sein sondern Hommage. Nun, er ist BEIDES nicht, schwankt haltlos zwischen den Stühlen hin und und her. In dieser Form wie der aktuelle Film sich zeigt, kann er, trotz aller technischer Vorzüge, den originalen Jerry Cotton-Filmen mit George Nader und Heinz Weiss nicht ansatzweise das Wasser reichen.

    5/10 grade noch ein Okay-Film, nicht gut, nicht schlecht.

  3. #63
    Leidenschaft: Kino
    Registriert seit
    29.06.04
    Ort
    Good old Germany ;-)
    Beiträge
    1.853

    AW: JERRY COTTON BACK IN ACTION AGAIN!

    Da ich vor dem Kinofilm die Figur des Jerry Cotton nicht wahrgenommen habe (also nichts davon gelesen bzw. gehört), würde ich gerne wissen, welchen der Filme bzw. welches der Bücher zum "Reinschnuppern" denn gut geeignet ist (bzw. auch richtig gut ist)? Danke im Voraus!!

  4. #64
    Eurokult-Fan
    Registriert seit
    12.05.06
    Alter
    31
    Beiträge
    961

    AW: JERRY COTTON BACK IN ACTION AGAIN!

    Ich verwende mal diesen Thread um darauf hinzuweisen, dass kürzlich ein Buch über die Jerry-Cotton-Filme erschienen ist - behandelt werden neben den 8 alten Cottons auch die Neuinterpretation. Neben Interviews und Drehortberichten gibt es rare Fotos und weitere Artikel über den Kriminal- und Europloitationfilm. Genaueres findet man HIER. Für Filmfreunde eine Pflichtanschaffung, die eine echte Lücke im Filmbuchregal füllt.

    Gruß
    Joe Walker

Seite 4 von 4 ErsteErste 1234

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. JERRY COTTON DVDs und das neue BUCH ZU DEN COTTON FILMEN VON JOACHIM KRAMP
    Von ewureuab im Forum Filme auf DVD (Deutschland)
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 23.05.11, 16:04:32
  2. Jerry Cotton
    Von TheCount im Forum Filme auf DVD (Deutschland)
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 28.05.07, 20:32:33
  3. Jerry Cotton
    Von Tubbesing im Forum Filme auf DVD (Deutschland)
    Antworten: 11
    Letzter Beitrag: 25.02.04, 16:09:32
  4. @marketing- Jerry Cotton???
    Von ewureuab im Forum Filme auf DVD (Deutschland)
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 19.05.03, 10:01:35
  5. Jerry Cotton & Co.
    Von Kinohit im Forum Filme auf DVD (Deutschland)
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 09.01.03, 06:36:57

Lesezeichen

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •