Cinefacts

Seite 1 von 22 1234511 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 20 von 423
  1. #1
    Bewitched240
    Gast

    Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Alle Reviews und Kommentare zu den einzelnen Filmen hier rein.
    Keine anderen Posts bitte.

  2. #2
    Bewitched240
    Gast

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Zu "I'm a Cyborg, but it's OK" ein Review von Soljah aus dem RC3-Thread und meinen Senf noch dazu:

    Zitat Zitat von Soljah Beitrag anzeigen
    Damit hier nicht nur rumgemeckert wird, hier meine Meinung zum Film:

    Ich finde den Film einfach nahezu genial! Man merkt, dass Park Philosophie studiert hat, und er greift oft die Frage nach dem Sinn des Lebens in dem Film auf. Auch wenn sowas durch die ganzen skurrilen Einfälle und der doch sehr kitschigen Inszenierung nur schwer erkennbar ist.
    Mir hat der Film einfach nur unheimlich viel Spaß gemacht, und der Film erreicht meiner Meinung nach den Höhepunkt, wenn die Jodel-Szene eintritt ^^
    Nach dem Film fühlte ich mich total glücklich. Und ich ich kann die Meckereien bezüglich der fehlenden Handlung kein Stück nachvollziehen. Der Film hat eine Handlung, und was für eine. Der ganze Film ist eine Charakterisierung einer psychisch gestörten jungen Frau und greift zudem noch einige gesellschaftliche Sachen auf. Dies alles ist verpackt in einem herrlich schrägen Irrenanstalt-Szenario. Ich bin ehrlich gesagt ein wenig verwundert, dass der Film von doch so vielen Leuten in der Luft zerrissen wird, da er meiner Meinung nach, nach langer Zeit wieder einmal ein wirklich richtig guter Feel-Good Movie ist, der zudem auch noch tiefgründig ist.
    Zum Ende muss ich noch erwähnen, dass es mir mehr als gefallen hat. Es ist zwar doch recht offen, aber genau das sollte auch das Richtige sein.

    Ich gönne dem Film den besonderen Preis der Berlinale, den er erhalten hat, da er ihn wirklich auch verdient hat, weil der Film einfach durch diese vielen neuen innovativen Ideen viel Spaß macht. Oder fällt euch ein Film ein, in dem ein koreanischer Superstar einer psychisch-kraken Frau etwas vorjodelt? ^^
    Man muss sich ebenhalt auf diesen ganzen Kitsch und Witz einlassen, sonst wird man mit dem Film rein gar nichts anfangen können.
    Zitat Zitat von Bewitched240 Beitrag anzeigen
    Sehe ich auch so.
    Es gibt in dem Film so viele kleine, feine, versteckte Botschaften, die es zu entdecken gilt. Deswegen muss ich ihn mir unbedingt ein zweites Mal ansehen.
    Zugegebenermaßen tat ich mich am Anfang recht schwer, in diese Welt einzutauchen, aber je länger es ging, desto besser ist mir das gelungen.
    Und die Jodelszene ist wirklich zum
    Sehr skurriler Film. Ich denke Park Chan-wook hat die richtige Entscheidung getroffen, mal einen etwas anderen Film zu drehen.

    Vorläufige 8/10, mit Potential nach oben, denke ich.
    Werd ihn auf dem FFF bestimmt nochmal anschauen.

  3. #3
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    09.10.01
    Beiträge
    610

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Okay, dann hier mal zwei längere und zwei kürzere Meinungen zu den Filmen, die ich bereits gesehen habe...

    Paprika
    Dr. Atsuko Chiba arbeitet als Psychotherapeutin mit einer revolutionären Maschine, die es ihr erlaubt, die Träume ihrer Patienten zu betreten und zu beeinflussen. Als dieses Gerät gestohlen und vom unbekannten Dieb für unheilvolle Zwecke missbraucht wird, muss sich Atsuko in Gestalt ihres Traum-Alter-Egos ‚Paprika' auf den gefährlichen Weg ins nicht mehr von ihr kontrollierbare Unterbewusstsein der Schlafenden machen... Dieser Stoff, der zu Beginn noch ein wenig an Tarsem Singhs "The Cell" erinnert, ist bei Satoshi Kon erwartungsgemäß in den besten Händen. Schließlich hat dieser Regisseur bereits seit seinem Debüt "Perfect Blue" immer wieder bewiesen, wie viel Freude er daran hat, die vermeintliche Realität möglichst originell aufzubrechen, und außerdem ist die Gattung des Animationsfilms zur Bebilderung surrealer Traumwelten natürlich per se ganz besonders gut geeignet. Und "Paprika" enttäuscht keineswegs, sondern verblüfft durchgängig mit einem sagenhaften Einfallsreichtum und einer Bildgewalt, die selbst Kons bisheriges Werk verblassen lässt, zumal hier sein animationstechnisch sicherlich aufwändigster Film vorliegt. Da darf ruhig mal das "Nippon Connection"-Programmheft zitiert werden, das mit vollem Recht jubiliert: "Ein visuell überwältigendes Meisterwerk, dem nur noch Staunen entgegenzubringen ist."

    Bei aller Begeisterung über diese mitreißende Achterbahnfahrt durch die verschiedensten Bildarchive von Mythologie bis Popkultur übersieht man fast, dass Kons Film keineswegs nur ein ausgelassenes Fest für die Augen ist, sondern durchaus eine nähere inhaltliche Auseinandersetzung rechtfertigt. "Paprika" thematisiert das Verhältnis von Realität und Illusion nicht allein in der Opposition von Wachen und Träumen, sondern spricht auch von den von Menschen fabrizierten künstlichen Welten im Internet und ganz speziell vom Medium Film. Hier finden sich einige sehr schöne Szenen über die Parallelen zwischen Traum und Kinoerlebnis, die als Beispiele für gelungene Selbstreflexivität ohne allzu aufgesetzte "Bin ich nicht wahnsinnig clever?"-Attitüde durchgehen. Interessant ist auch der Konflikt zwischen der Psychotherapeutin, die einen erwachsenen, verantwortungsvollen Umgang mit der neuen Technologie einfordert, und den Entwicklern eben dieser Geräte, die als kindlich-unbekümmerte Geek-Genies gezeichnet werden. Kons Film bietet einige thematische Ansätze, die so spannend sind, dass man sie gerne etwas deutlicher ausgearbeitet gesehen hätte, allerdings lässt einem die Wucht des Bilderrausches zumindest bei der ersten Sichtung kaum Gelegenheit zum längeren Nachdenken. Nun ist ein enormer Überwältigungsfaktor gewiss nicht der schlimmste Vorwurf, den man einem surreal angehauchten Anime-Spektakel machen kann, von daher bleibt festzustellen, dass Satoshi Kon mit "Paprika" den hohen Erwartungen souverän gerecht werden kann und seinen Status als derzeit vermutlich interessantester Animationsfilmer - nicht nur innerhalb Japans -zementiert.
    9/10


    Mushishi
    Mit Katsuhiro Otomos "Mushishi" war auch das neue Werk eines der weltweit bekanntesten Anime-Regisseure Teil des Festival-Programms, allerdings hatte sich der "Akira"-Schöpfer diesmal für das Medium Realfilm entschieden, um den Manga von Yuki Urushibara auf die Leinwand zu bringen. Die Kenntnis jener Vorlage dürfte eine gute Voraussetzung für den Genuss von Otomos Spielfilm sein, denn ohne Vorwissen fühlt man sich dort bald ähnlich verloren, als wäre die Untertitelung vergessen worden. "Mushishi" erzählt eine Geschichte aus dem alten Japan, in dem der ‚Bugmaster' Ginko durchs Land zieht und die Leute von Krankheiten heilt, die von den ‚Mushi' - mysteriösen, insektenähnlichen Geisterwesen - verursacht werden. Soweit die gar nicht mal uninteressante Ausgangssituation, aus der Otomo mit fast schon meditativer Bedächtigkeit einen weitgehend unverständlichen Plot entwickelt, bei dem man irgendwann resigniert aufhört sich zu fragen, worum's denn hier bitteschön eigentlich geht.

    Dabei bietet "Mushishi" durchaus Anlass zum Lob, denn die mit großem Ernst und in schönen Naturbildern präsentierte Welt wirkt in ihrer hermetischen Fremdartigkeit zunächst recht reizvoll, und die Konsequenz und Kompromisslosigkeit, mit der der Regisseur dem ruhigen, beinahe spirituell wirkenden Tonfall seines Films treu bleibt, nötigt einem schon einen gewissen Respekt ab. Möglicherweise wollte Otomo nach seinem reizüberflutenden Anime-Spektakel "Steamboy" bewusst einen sehr stillen, langsamen Nachfolger schaffen - das ist ihm zweifellos gelungen, doch wenn man als Zuschauer dafür auf jeglichen Unterhaltungswert verzichten muss, mag man ihm zu dieser Leistung nicht so recht gratulieren. Wie gesagt: Vielleicht braucht man einfach Vorkenntnisse für "Mushishi". Vielleicht erschließen sich einem dann die Figuren des Films und ihre Ziele. Vielleicht erkennt man so etwas wie eine Dramaturgie, und es wird dann vielleicht sogar richtig spannend. Wer weiß. Wenn man sich aber einfach nur unvorbereitet den neuen Film von Katsuhiro Otomo anschaut, kommt man enttäuscht wieder raus und wünscht sich, man hätte vor der Vorstellung ein Glossar in die Hand bekommen.
    4/10


    The Lookout
    Ein Thriller-Drama mit Schwerpunkt auf seinen sehr plastischen Figuren und einem grandiosen Jeff Daniels als blindem Zyniker. Das Ende ist vielleicht etwas zu gefällig geraten, aber so lange man kein weltbewegendes Meisterwerk erwartet, lohnt sich der Kartenkauf durchaus. "Solide" klingt immer ein wenig nach "langweilig", aber hier meine ich's als Kompliment für einen Film, bei dem man sich als Zuschauer einfach in guten Händen fühlt.
    7,5/10


    Bug
    Sehr konsequentes Paranoia-Kammerspiel von William Friedkin, das auf einem Theaterstück basiert. Fängt recht gemächlich an, weiß aber schon zu Beginn mit interessanten Figuren und sehr guten Darstellern (Ashley Judd endlich mal wieder in einem sehenswerten Film!) zu gefallen. Mit fortschreitender Laufzeit wird's dann zunehmend manischer, grotesker und intensiver. Lohnt sich auf jeden Fall, man sollte aber lieber keinen Genre-Film erwarten.
    8/10

  4. #4
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    18.07.04
    Ort
    Stuttgart
    Alter
    32
    Beiträge
    1.866

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Mein Text zu CYBORG:

    So ganz will der Film ja nicht in Parks bisherige Filmografie passen, ist er doch so ganz und gar anders als seine bisherigen Filme. Das muss nichts schlechtes heißen, im Gegenteil. I’M A CYBORG, BUT THAT’S OK ist eine gelungene Frischzellenkur für die sonst so düsteren und ernsten Filme des Südkoreaners. Nicht falsch verstehen, auch er behandelt ein ernstes und sensibles Thema, nur nicht mit der bedrückenden Dramatik, wie sie beispielsweise seine Rachetrilogie besitzt.

    Gewalt gibt es ebenfalls reichlich (die Szene in der die Protagonistin in bester heroic bloodshed Manier die Angestellten zu einem Walzer niedermäht - herrlich schräg und einfallsreich!), in dieser Hinsicht ist ja aber Verlass auf Park, und auch hier folgt sie dem Aspekt der Rache.

    Ferner geht es um Identität, die Findung und Zugehörigkeit seiner selbst. Im Prinzip ist I’M A CYBORG, BUT THAT’S OK so identisch zu Parks vorherigem Oeuvre, andererseits aber dennoch total anders. Ja, man könnte das Ganze durchaus als eine Freakshow bezeichnen, eine der netten Art aber. Park beschießt uns mit knalligen Farben, urkomischen Charakteren und jeder Menge unkonventioneller Geschichten und Schicksale. Den Charakteren wird viel Zeit eingeräumt, allen voran natürlich den beiden Protagonisten.

    Der Fokus liegt auf den Figuren, eine weitere typische Eigenschaft für Park und sein Schaffen. Emotional starke Szenen gibt es dabei zuhauf und nahezu frei von Pathos (was bei seinen anderen meiner Meinung nicht der Fall war [aber auch überhaupt nicht schlimm ist]) sind diese auch. Park hat also alles richtig gemacht. Naja, nicht alles, denn das einzige Manko des Filmes sind die diversen Längen, mit denen er doch immer wieder zu kämpfen hat. Dieser bleibt aber auch der einzige Kritikpunkt, denn sowohl inszenatorisch - besonders das -, als auch optisch ist der Film ein Leckerbissen.

    Und dennoch bleibt er eine Herausforderung (aber eine die sich lohnt) für jeden Anhänger Parks, denn hinter der knallbunten Fassade versteckt sich ein weiteres hochemotionales Drama, das sich in seinem Sujet nahtlos an die anderen Parks reiht. (7/10)

  5. #5
    heartless creature
    Registriert seit
    03.01.05
    Ort
    Frankfurt
    Alter
    34
    Beiträge
    2.426

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Na dann wollen wir mal. Was ich bisher vom Programm so kenne:

    THE HAMILTONS LEICHTE SPOILER!!
    Eines dürfte klar sein: Dem Namen der Regisseure wird der Film auf keinen Fall gerecht. Und das ist auch gut so. In Zeiten von Mainstream-Tortureporn und Co. ist man dankbar für jede Erneuerung, die das Genre mitbringt, besonders wenn sie von Neulingen kommt. THE HAMILTONS ist in der Tat etwas anders, als die meisten Filme um ihn herum. Bei dem Regiedebüt der sogenannten „Butcher Brothers“ handelt es sich eher um eine hyperreale Familientragödie als um einen Slasher.

    Und das Konzept ist klasse. Die Eltern sind tot, eine Familie bestehend aus 5 jungen Leuten kämpft immer wieder aufs Neue um das nackte Überleben in der harten Welt des Alltags. Dabei sind sie auf eine gewisse Nebentätigkeit angewiesen: Die müssen Organe verkaufen um ihren Schein zu wahren und das Leben, wie sie es kennen, aufrecht zu erhalten. Das ist jedenfalls das Bild welches uns vermittelt werden soll. Das klappt hervorragend. Ich muss gestehen, dass es mir selten leichter fiel Sympathie und Mitleid für einzelne Figuren zu empfinden, schließlich ist es nur realistisch, dass nicht alle Familienmitglieder solche Taten gut heißen werden. Doch dann macht THE HAMILTONS eine unangenehme Berg- & Talfahrt mit, die mir so gar nicht munden wollte. Von ganz oben, geht es nach ganz unten, weil sich die Butcher Brothers unnötig (!) Stolperfallen in den Weg stellen. Wieso muss einer der Brüder schwule Tendenzen haben? Wieso müssen Bruder und Schwester eine inzestuöse Beziehung führen? Das macht leider, leider sehr viel kaputt. Weil die Familie Hamilton (teilweise übrigens wirklich toller Cast) so von der Durchschnittsfamilie, was für den Plot enorm wichtig war, zur klischeebehafteten Filmfamilie degradiert wird.

    Und so kann man kaum mit ansehen, wie THE HAMILTONS es sich durch immer mehr peinliche Szenen (der kleine Bruder im Keller geht mal gar nicht) beim Zuschauer verscherzt. Als der Plot schließlich dreht, wir merken dass wir es hier nicht wie angenommen mit Organhandel sondern mit Nahrungsaufnahme in Form von Vampirritualen zu tun haben, ist man schon etwas enttäuscht. Ja, die Idee ist nicht schlecht und hat spätestens in der letzten Szene ihre volle Berechtigung. Aber da wäre doch wirklich so viel mehr drin gewesen. Von oben betrachtet haben wir also einen genialen Anfang und ein durchaus gelungenen Schluss. Leider aber auch einen katastrophalen Mittelteil.
    6+/10

    THE ABANDONED
    Alles was man im Vorfeld über diesen Film des After Dark Festivals lesen konnte, klang durchaus interessant. Auch Regisseur Nacho Cerdà konnte sich mit seinen Kurzfilmen AFTERMATH und GENESIS für einen Hit qualifizieren. Leider ist dies THE ABANDONED trotz verheißungsvoller Zutaten nicht geglückt.

    Zu Beginn zeichnen sich noch vorzügliche Tendenzen ab: Trotz des äußerst altbackenen Plots um ein gruseliges Familienanwesen gelingt es Nacho Cerdà eine äußerst beklemmende und düstere Atmosphäre zu kreieren. Die verschiedenen Schauplätze sind perfekt ausgeleuchtet, die Farbgebung der Sets trägt ihren Teil zum Unbehagen bei. Das alles präsentiert Cerdà so routiniert, als würde er nie etwas anderes machen und hätte schon rund ein dutzend dieser Filme gedreht. Ja, bis etwa knapp zur Hälfte des Films denkt man tatsächlich, hier wäre ein junger Gott am Werk, der dem tot geglaubten Spuk-Genre wieder Leben einflößt. Bis man dann aber bemerkt, dass der Film ab diesem Punkt keinen Millimeter vorankommt. Cerdà baut die Spannung auf, um sie schließlich wie Wachs in seinen Händen verrinnen zu lassen. Nicht selten erweckt THE ABANDONED deswegen den Eindruck, es handle sich hier bei um eine Bewerbungsmappe und nicht um einen Spielfilm.

    Und das tut dann doch ganz schön weh. Vom Drehbuch schreiben haben er und sein Partner Karim Hussain nämlich weniger Ahnung als eine Kuh vom Heu rupfen. Ihr Film verfügt über null Timing, ihre Mysterien (in Form von Zombie-Spiegelbildern) werden gerade zu inflationär eingesetzt & verlieren rasend schnell ihre Wirkung und der ach so geniale Plottwist gegen Ende des Affentheaters ist alt und langweilig. Filme wie LOST THING oder LANGGOLIERES konnten mit einer Zeitschleife evtl. noch ein paar Zuschauer beeindrucken, bei THE ABANDONED wirkt das Ganze schließlich genauso wie ihr Drehbuch: lang und weilig ohne Ende.

    Wer sich von THE ABANDONED einen optisch gelungenen Film verspricht, wird nicht enttäuscht. Nacho Cerdà schafft es eine tolle Stimmung zu schaffen. Wer jedoch auf Spannung, eine tolle Story oder gar clevere Wendungen hofft, wartet vergebens. THE ABANDONED ist langweiliges, langatmiges Videothekenfutter. Das der Film sich trotz seiner Ziellosigkeit für enorm clever hält, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.
    3-4/10

    PREMONITION
    Vielleicht bin ich einfach wieder etwas sentimental. Jedenfalls fand ich PREMONITION ganz und gar nicht so schlecht wie er überall gemacht wird. Eine durchaus ansehnliche Mischung aus Familientragödie gepaart mit Mystery/Suspence. Schöne Aufnahmen und eine Sandra Bullock, die nur selten besser war. Habe dem zugegeben stellenweise etwas kitschigen Hokuspokus die Fürsorge total abgekauft. Man merkt, dass Regisseur Mennan Yapo die Geschichte tatsächlich interessiert. Dies setzt er somit auch dementsprechend um, was zur Folge hat, dass unfreiwillig komische Szenen vermieden werden (Bis auf den Sturz durchs Fenster). Und spannend war das ebenso wie konsequent. Mit einem solchen Ende hätte ich in dieser Produktion nicht gerechnet. Hoffe das PREMONITION (DIE VORAHNUNG) einen einigermaßen erfolgreichen Kinostart hinlegt. Ein Meisterwerk ist das Ganze sicherlich nicht, aber dennoch engagiert und diszipliniert verfilmt.
    gerade eben noch 7/10

    PAPRIKA
    Wenn Naoko Takeuchi einen Film mit Cronenberg dreht oder wenn Hayao Miyazaki unter dem Einfluss von Ecstasy steht: Dann, ja nur dann, kommt ein Film wie PAPRIKA dabei heraus. Dachte ich jedenfalls. Satoshi Kon braucht weder den Kultregisseur, noch die Drogen um einen solchen Film zu kreieren. PAPRIKA fühlt sich an wie eine fließende Mischung aus Fiebertraum, Film Noir und Cronenbergs (deshalb der Verweis) EXISTENZ. Seit langem Mal wieder ein Film, der begreift wie unendlich die visuellen Möglichkeiten eines Traums und der menschlichen Psyche sind, und diese auch voll ausschöpft. Und wenn nicht mit einem Animefilm, mit was dann?

    Ein leichter Einstieg wird uns eigentlich nicht geboten. PAPRIKA beginnt und legt gleich los. Deswegen dauert es ein wenig bis man mit dem abstrusen Noir-Plot klar kommt. Sehr viele technische Daten machen dem Zuschauer das Leben schwer. Was ist beispielsweise ein Mini DC? Langsam aber sicher findet man sich dann dennoch in Satoshi Kon’s Traumwelt zu Recht. Ab hier geht der Spaß erst richtig los. Zwar ist die Idee der Verschmelzung von Psyche und Realität in der Tat nichts Neues, doch selten wurde das Ganze so stimmig und passend umgesetzt wie hier. Zwar nimmt der Plot am Ende auch ein paar Wendungen, auf die Satoshi Kon gut und gerne hätte verzichten können, weil sie nicht so Recht in das schlüssige Gesamtbild des restlichen Films passen wollen, insgesamt weiß das Werk jedoch auf gleich mehreren Ebenen zu gefallen.

    PAPRIKA ist bunt, laut und wirr. „Your Brain on Anime“ heißt es in der Tagline. Und genau das trifft den Nagel auf den Kopf. Der Film folgt nicht dem Trend in Richtung „Style over Substance“, sondern ist einerseits verworrenes Kopfkino über das man im Anschluss wunderbar diskutieren kann, anderseits aber auch atemberaubendes Eyecandy. Die Vorfreude war groß, Satoshi Kon hat sie jedoch noch einmal um ein Stück übertroffen. Für mich jetzt schon einer der mit Abstand besten Anime-Spielfilme überhaupt. Vielleicht bin ich PAPRIKA einfach nur auf den Leim gegangen und das alles ist in Wirklichkeit nur cooles Gepose, bei dem Satoshi Kon eineinhalb Stunden wild in der Spielzeugkiste wühlt um uns zu imponieren. Könnte sein. Doch selbst dann wäre der Film noch genial.
    9/10

    OUT OF THE BLUE
    Ist im Grunde genau das, wasvan Sant's ELEPHANT so gerne wäre. Die nuancenlose, trockene, schmerzliche Schilderung eines Amoklaufes. Nur eben ohne die selbstverliebten Kamerafahrten. Die Tage vielleicht etwas mehr dazu. Bis dahin: Empfehlung!
    8/10

    FREE JIMMY!
    Recht hartnäckig wurde FREE JIMMY als Animationskomödie für Erwachsene angepriesen. In diesem Zusammenhang ist das Interesse am Film auch nicht verwunderlich, schließlich hat Englands Ex-Zombiejäger Simon Pegg beim Drehbuch mit Hand angelegt. Eines vorne weg: Wenn man den Film kennt, möchte man dies kaum für möglich halten so unlustig und schenkelklopferisch das Ganze am Ende daherkommt. Auch kann ich nicht begreifen, wieso Schauspieler wie Woody Harrelson und vor allem Samantha Morton ausgerechnet hier eine Sprecherrolle übernommen haben. Cory und Todd Edwards zeigten mit HOODWINKED wie viel man auch mit kleinem Budget aus einem Film herausholen kann, wenn das Script meisterlich ist. Christopher Nielsen zeigt nun mit FREE JIMMY wie man ein solches Projekt kilometertief im Sand versenkt.

    Und bei FREE JIMMY stimmt wirklich gar nichts. Er ist mit seiner schmuddeligen, kantigen Optik äußerst gewöhnungsbedürftig und diese sagte mir schon einmal überhaupt nicht zu. Schlimmer ist jedoch das die schlechten Zoten und Schenkelklopfer – wenn sie denn mal kommen – über Null Timing verfügen. Das alles wirkt wie ein riesiger Haufen frisch Erbrochenes. Und der Teller dampft noch: Was hier schließlich im letzten Viertel veranstaltet wird grenzt an Körperverletzung und hat mit Geschmack schon lange nichts mehr zu tun. Völlig sinnfrei wird auch die letzte Identifikationsmöglichkeit über Bord geschmissen. Was soll man dazu noch sagen? Ich habe selten in meinem Leben einen so dilettantischen, egoistischen und dazu noch sterbenslangweiligen Film erblicken müssen. Samantha Morton bewahrt FREE JIMMY dank 2 netten Lachern vor dem Totalausfall. Aber insgeheim rechne ich den Müll schon zum Bodensatz des Kinojahres. Tierschützer dieser Welt vereint euch: Eine so peinliche Vorstellung hat kein Elefant der Welt verdient.
    2/10

    I'M A CYBORG BUT THAT'S OK
    Junge Frauen kämpfen häufiger mit Identitätskrisen. Oft liegt dies an ihrer Umwelt, wie sie aufwachsen oder was sie vorgelebt bekommen. Wenn ein kleines Mädchen von einer Frau aufgezogen wird, welche davon überzeugt ist selbst eine Maus zu sein, kann dies nur im Desaster enden.

    Um sich selbst, aber auch ihrem Leben einen Sinn zu geben, spinnt sich Young-gyun (Su-jeong Lim - …ING, TALE OF TWO SISTERS, SAD MOVIE) zusammen, sie wäre ein Cyborg. Munter werden Batterien geleckt, Konversationen mit Deckenflutern geführt und Roboter Leit-Regeln gelernt. Klar, dass ihre Mitmenschen die Konventionen des Cyborg-Daseins nicht verstehen, was die Einweisung in eine psychiatrische Anstallt mit sich zieht. Dort angekommen, weckt sie schnell das Interesse des vermeidlichen Meisterdiebes Il-sun (J-Popstar Rain), der denkt er könne die Seelen anderer Menschen rauben.

    Zugegeben, einen ungewöhnlicheren Film hätte Chan-Wook Park nicht drehen können, um sich von seinem bisherigen Image zu lösen, bzw. aus dem Genre des Rachedramas auszubrechen. Park, der mit JOINT SECURITY AREA, SYMPATHY FOR MR. VENGEANCE, OLDBOY und LADY VENGEANCE echte Monolithe ihres Genres geschaffen hat, will nun weg vom Titel des Rachebarons. Was läge da näher als eine romantische Tragik-Komödie, die auf den ersten Blick so ziemlich alles über den Haufen wirft, was wir bisher von Monsieur Park gewohnt waren. Und doch wimmelt es nur so von parkschen Elementen: Sein heiß geliebtes Intro, das auch hier wieder einmal visuelle Freude bereitet oder auch die Liebe zu seinen Charakteren. Hier führt er sie ähnlich wie in LADY VENGEANCE ein, was sicherlich ein wenig behutsamer hätte passieren können. Aber noch einen Punkt gilt es zu beachten: Wie in allen seinen Filmen gibt Park auch im CYBORG nie seine Figuren auf. Egal wie verdreht sie auch sein mag, Park stellt sich zu zweihundert Prozent hinter sie. Da es in einer abgedrehten Rom-Com wie dieser einfacher ist mit der Protagonistin zu fühlen als in einem Drama, in dem sich die Hauptperson auf einmal als Oberfießling outet, sollte klar sein.

    So wuschelig, verspielt, liebenswert und verrückt I’M A CYBORG auch sein mag – An Ernsthaftigkeit fehlt es ihm nicht. Für den ersten Ausflug in das unerforschte Genre sind kleinere Macken verzeihlich. So übersteigert Park einige Situation (z.B. den Shootout) zum Teil so stark, dass der Zuschauer im Fußraum des Kinosessels nach dem Bremspedal suchen möchte. Glücklicherweise kommt dieses dann immer noch rechtzeitig von Seiten des Regisseurs. Zwischen all dem „kinky Stuff“ kommen dann sogar echte Blüten zum Vorschein: Szenen die intensiver, ergreifender und ganz einfach auch schöner sind als all der Müll welcher jährlich auf den asiatischen Markt geworfen wird und sich frecher weise auch noch Romantic Comedy schimpfen darf. Wunderbar wie Park z.B. die gute alte Valentinskartenposse ummodelliert und zu einem äußerst herzhaften Lacher umfunktioniert. Außerdem hat wohl selten ein Mann auf entzückendere Weise die Tür zum Herzen einer Frau geöffnet.

    I’M A CYBORG BUT THAT’S OK hat definitiv seine Schwächen. So hätte man an einigen Stellen gerade gegen Ende ein paar Kürzungen vornehmen können. Ebenso kann man sich gut vorstellen wie viel stärker die emotionale Bindung zu der Hauptfigur hätte sein können, wenn man den Coming-Of-Age Teil intensiviert hätte. Aber auch so kommt gut zur Geltung in welchem psychischen Vakuum Young-gyun steckt und wie schwer es ist ohne eine genau Perspektive aufzuwachen. Das sie furchtbare Angst hat in diesem wilden Strudel unterzugehen und sich deswegen dem übernatürlichen Cyborgmotiv zuwendet, der nun mal als höhere Lebensform über der Mehrheit des Volks liegt, ist dank mangelndem Background vielleicht nicht ganz so einfach. Doch das Park nicht ständig an unsere Menschlichkeit appelliert, in dem er uns vorwirft wir hätten den Sinn dafür verloren, dass wir nur als Einheit funktionieren, macht das ganze viel erträglicher. Schließlich steht nie zur Debatte das beide zu Unrecht in der Anstallt sitzen. Genau das könnte der Grund sein wieso Chan-Wook Park’s Figuren die liebenswertesten Spinner sind, die die Kinoleinwand seit langer Zeit zum Vorschein brachte.

    Unterm Strich kann I’M A CYBORG sicher nicht als neue Mutter der koreanischen Tragik-Komödie bezeichnet werden. Festzustellen ist aber das Park wie zuvor mit visuelle und akustische Perfektion davon überzeugt, was für ein großartiger Regisseur er ist und mit welcher Leichtigkeit er nahe zu jeden Stoff genregerecht verfilmen kann, selbst wenn er verschiedene Genre vermischen muss. Wer sonst schafft es ein Massaker in Szene zu setzen und den Zuschauer trotzdem für keine Sekunde aus der Ruhe zu bringen?
    8/10

    DAYWATCH AKA DNEVNOY DOZOR
    KLICK !
    8/10

    THE BANQUET
    Ja, ist schön. Mehr aber auch nicht. Konnte dem Film einfach nicht wirklich was abgewinnen.
    4-5/10
    Geändert von Mr.Vengeance (24.07.07 um 20:49:15 Uhr)

  6. #6
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    14.11.06
    Beiträge
    595

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    ------
    Geändert von philco (25.07.07 um 00:12:42 Uhr) Grund: zu dumm, den ersten post zu lesen

  7. #7
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    09.10.01
    Beiträge
    610

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Startschuss in München:

    Black Sheep
    Wenn man so will, der Spin-Off-Spielfilm zum explodierenden Schaf aus "Bad Taste". Jedenfalls fühlt sich "Black Sheep" wie erwartet recht ähnlich wie Peter Jacksons Filme aus der Zeit an, als seine Oscar-Chancen noch eher gering schienen und verbreitet daher schon fast nostalgisches Flair. Nur hat mir diese Mischung aus rustikalem Humor und (wirklich gerne mal wieder gesehenen) handgemachten Splatter-, Verwandlungs- und, äh, Schaf-Effekten vor 15 Jahren deutlich mehr Freude gemacht als gestern abend, das mag aber auch an Geschmacksveränderungen auf meiner Seite liegen.

    "Black Sheep" bietet durchaus ziemlich genau das, was man von neuseeländischem Schmunzel-Splatter über blutgierige Mutanten-Schafe erwarten konnte, aber in Sachen Tempo, Irrsinn, Humor und Figuren kann der Film meiner Meinung nach nicht mit den Klassikern des Fun-Horror-Subgenres mithalten, und auch den letztjährigen Eröffnungsilm "Severance" fand ich deutlich witziger und frischer. Nett und amüsant isser halt, und viel mehr will der Film ja eigentlich auch nicht sein, von daher: Passt schon.
    6/10

  8. #8
    Bewitched240
    Gast

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Erster Abend Stuttgart:

    Black Sheep

    Fun-Splatter, ungewöhliche Killerschaf-Story, aber doch recht gewöhnliche Umsetzung mit einigen peinlichen Ausrutschern. Ganz spaßig, aber als Eröffnungsfilm fürs FFF keine gute Wahl.

    6/10

    The Ferryman

    Neuseeländischer Bodyswitch-Horror auf dem Boot. Fand ich ganz gut. Nix Neues, aber spannend und atmosphärisch gut.

    6,5/10

  9. #9
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    09.10.01
    Beiträge
    610

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Fido
    Der Text im Programmheft gibt einen guten Eindruck, was hier zu erwarten ist: "Pleasantville" meets "Night of the Living Dead" mit einer Weiterentwicklung von Bub aus "Day of the Dead" in der Titelrolle. Mir hat's richtig gut gefallen. Das alternative Amerika der 50er Jahre nach dem Zombie-Krieg ist sehr liebevoll und mit vielen witzig-bissigen Details dargestellt, und die höheren Production Values und sehr viel besseren Darsteller (mit sehr viel besserem komödiantischem Timing) machen sich im (vielleicht unfairen) Vergleich mit "Black Sheep" vom Vortag auch sehr angenehm bemerkbar. Für einen Film mit Zombies hat "Fido" einen z. T. durchaus feinen, eher trockenen Humor und setzt erfreulicherweise nicht ausschließlich auf grobe Schenkelklopfer. Als Satire mag der Film sein Potential vielleicht nicht voll ausspielen, aber ich habe mich sehr gut (und stilvoller als erwartet) amüsiert. Eine runde Sache.
    knappe 8/10

  10. #10
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    18.07.04
    Ort
    Stuttgart
    Alter
    32
    Beiträge
    1.866

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    BLACK SHEEP

    Irgendwie war es ja alles schon mal da: genmanipuliertes Zeug, das aus unscheinbaren Tieren Monster macht. Vom Biss der Monster, die dazu führen, dass man sich selbst in ebendiese verwandelt, ganz zu schweigen. Der große Unterschied ist aber, dass BLACK SHEEP die bekanntesten Vertreter nicht unbedingt nachahmt, sonder herrlich zitiert. Da wäre beispielsweise das kleine, genmanipulierte Killerschaf, das einer gewissen Kreatur eines gewissen korpulenten Neuseeländers zum Verwechseln ähnlich sieht. Doch nicht nur Peter Jackson lässt grüßen (nicht zuletzt auch wegen den Landschaften, bei deren Anblick seine Fantasytrilogie nur allzu omnipräsent erscheint), auch diverse Zombiemeister.

    So bekommen es die Helden (darunter ein herrlicher Oli Pocher-Verschnitt, der den Spaßfaktor gleich noch anhebt), dann nämlich auch mit blutrünstigen Willenlosen zu tun, die eine große Wut verspüren und ekelhafter nicht sein könnten. Zwischen deftigem Splatter, den bereits genannten, wunderschönen Landschaftsaufnahmen und gut aufgelegten Darstellern, bekommt man dann auch noch jede Menge Esoterik-, Gentechnik- und Expansionskritik serviert. Das macht Spaß und ist trotz vieler Parallelen schön souverän, sowohl in seiner Geschichte (wann gab es denn bitteschön Killerschafe zu sehen?), als auch in seiner Inszenierung; vor allem weil King sich nicht nur bei einem Genre bedient, sondern gleich einem halben Dutzend. (7-8/10)
    (http://www.equilibriumblog.de/wordpress/?p=251)

  11. #11
    heartless creature
    Registriert seit
    03.01.05
    Ort
    Frankfurt
    Alter
    34
    Beiträge
    2.426

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    SHADOWBOXER
    Im Vorfeld habe ich den Film mit folgenden Worten empfohlen bekommen: „SHADOWBOXER muss man allein deshalb gesehen haben, um ihm zu glauben.“ Jetzt, nach dem ich den Film kenne, kann ich den Worten nur zustimmen. Was Regisseur Lee Daniels hier vor seinem Publikum abzieht, ist irgendwo schon harter Tobak. Auf der einen Seite kommt man nicht drum herum ihm gewisse satirische Elemente einzugestehen, auf der anderen ist man immer wieder über die enorme Härte des Stoffes und der Darstellung verwundert. Vielleicht ist es gerade diese Mischung, welche SHADOWBOXER vom Einheitsbrei der Thriller/Krimis abhebt.

    Müsste man diesen Mischmasch beschreiben, könnte man dies mit folgenden Zutaten tun: Etwas BRICK, sicherlich auch einen Hauch RUNNING SCARED, sowie einen guten Löffel PAY BACK (aber nur was den Härtegrad bei Schlägereien und Racheaktionen angeht). Das Hauptmotiv der ersten Hälfte stammt meiner Meinung nach jedoch aus KILL BILL, ohne SHADOWBOXER unterstellen zu wollen er hätte geklaut. Dabei geht es weniger um die Rachegelüste von Beatrix Kiddo, als um den Mutterinstinkt der auch in einer Killerin schlummert und der jederzeit entfesselt werden kann.

    Superb ist auch der großartige Cast: Helen Mirren (THE QUEEN) war nie cooler, Stephen Dorff (BOTCHED, BLADE) nie böser, Cuba Gooding Jr (PEARL HARBOUR). selten besser, Vanessa Ferlito (DEATH PROOF) selten noch bezaubernder. Eine kleine, sehr merkwürdige Rolle hat auch Joseph-Gordon Levitt (BRICK, THE LOOKOUT). Er und seine Filmpartnerin stellen definitiv ein heißes Gespann dar. SHADOWBOXER ist oft wild und laut, aber auch melancholisch und sanft. Würde er am Ende nicht ganz so dick auftragen (das letzte Drittel verliert etwas an Fahrt) und uns seinen Subtext, den er ansonsten behutsam aufbaut, nicht so schonungs- & lieblos vorsetzen, wäre ich persönlich noch ein Stück weit zufriedener gewesen. Aber auch so habe ich einen tollen Film gesehen, der eben einmal davon lebt in vielen Szenen „anders“ zu sein, sei es auch auf Knopfdruck.
    7-8/10

    OUT OF THE BLUE (ein paar Zeilen mehr)
    Eine kleine Überraschung, zu der man eigentlich nicht viel sagen muss, außer: OUT OF THE BLUE schafft spielend das zu sein, was Van Sant’s ELEPHANT so gerne wäre: Die realistische, unausgeschmückte, nuancenlose, kalte Schilderung eines Amoklaufs. Nur eben ohne die ellenlangen und selbstverliebten Kamerafahrten. Robert Sarkies ist ein pulsierender Mix aus Landschaftsaufnahmen und schockierendem Realismus gelungen, der an einigen Stellen sogar Gänsehautfaktor besitzt und am Ende, so merkwürdig es klingen mag, dem ein oder anderen Zuschauer ein Tränchen entlockt. In dem er das Hauptaugenmerk auf die Opfer richtet, erschafft OUT OF THE BLUE von der ersten bis zur letzten Minute eine gewisse Ernsthaftigkeit, welche ELEPHANT spätestens mit der viel zu klischeehaften Beschreibung der Täter abhanden kommt. Es gibt kein „Wieso“, nur die Tatsache DAS es passiert. Und diese Herangehensweise ist im Bezug auf das Thema mindestens genau so wichtig. Klare Sehempfehlung.
    8/10

  12. #12
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    18.07.04
    Ort
    Stuttgart
    Alter
    32
    Beiträge
    1.866

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    THE FERRYMAN

    Zweiter Film, erste Enttäuschung. Zu oft da gewesen, das, zu sehr nach Schema F konstruiert, das, zu vorhersehbar, das und vor allem sich selbst viel zu ernst nehmend. Andererseits ist das Ganze aber auch so (unfreiwillig) komisch, dass es schon wieder etwas Spaß macht. Da wäre zum einen die blonde Barbie, die klischeehafter nicht sein könnte - die ist so dummdreist, das muss so überzogen gewollt sein. Zum anderen dann ihr Freund, der wenn er endlich den Bösen spielen darf - und das darf hier jeder Mal -, einen auf Patrick Bateman macht und diesem in Sachen Gestörtheit in fast nichts nachsteht. Das ist herrlich überzogen, das holt das sinkende Schiff (wie passend) wieder etwas aus dem Sog.

    Im Grunde genommen ist THE FERRYMAN aber lediglich eine Art Best-Of aller bekannten Horror(unter)genre: angefangen beim x-ten Einsatz von Kinderstimmen und Visionen mit Wesen mit eher unkonventionellem Erscheinungsbild, über eine Art Fluch, bis hin zum Slasher, der auch vor leichten Splattereinlagen keinen Halt macht. Blöd nur, dass er sich dabei viel zu viel vornimmt und letzten Endes maßlos überladen und zu lang ist. Zäh wie Gummi gestalten sich ganze Szenen, an der Location hat man sich ebenfalls schnell satt gesehen und richtige Atmosphäre oder gar Spannung kommt so gut wie nie auf. Es gab zwar schon viele schlechtere Kollegen, aber auch schon viele bessere. Ach ja, die Schlussszene war übrigens so nötig wie Zahnschmerzen. (5-6/10)
    (http://www.equilibriumblog.de/wordpress/?p=256)

  13. #13
    FFF Fan
    Registriert seit
    20.07.01
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    170

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Reichlich Reviews und Meinungen gibt es wie jedes Jahr auch auf f3a.net!

  14. #14
    Bewitched240
    Gast

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Ganz kurz noch bissl was zum heutigen Tag in Stuttgart:

    Live! - 8/10

    Medienkritik um eine Russisch-Roulette-Fernsehshow, die als historisches TV-Ereignis die Quoten nach oben schießen lassen soll. Eva Mendes als Verantwortliche für die Show ist sehr sexy und skrupellos. Es wird der Weg von der Idee bis zur Umsetzung der Show erzählt. Sehr spannend.

    OSS 117: Cairo, Nest of Spies - 8,5/10

    Herrliche französische Superagenten-Parodie mit einem wirklich mehr als glänzend aufspielenden Jean Dujardin als Agent OSS 117. Schon lange nicht mehr so viel und herzhaft gelacht im Kino.

    The Bothersome Man - 8/10

    Sehr skurrile Gechichte um den Überlebenskampf in der perfekten Hölle. Tolle Geschichte, sehr außergewöhnlich und gut. Norwegen-Style.

    The Snake (Le Serpent) - 8,5/10

    Toller, typisch französischer Krimi/Psychothriller über die Sünden der Vergangenheit und wie diese einen schneller und grausamer einholen können, als man denkt.

    To Sir, With Love - 7,5/10

    Koreanischer Horror nach dem 10-Negerlein-Prinzip mit einigen (wenn auch wenigen) sehr heftigen Szenen. Nichts unbedingt neues, aber gut umgesetzt mit einigen Überraschungen, die den Film sehr spannend machen.

    Ein toller Tag heute. Nur gute Filme, so kann es weitergehen. Bin jetzt aber sackmüde.

  15. #15
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    09.10.01
    Beiträge
    610

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Mein gestriger Tag war nicht so dolle:

    The Deaths of Ian Stone
    Selbst aus der recht reizvoll wirkenden Ausgangssituation - eine Art Horror-Variante von "Groundhog Day" -, wird hier nix auch nur ansatzweise Spannendes gemacht, und als sich der Film dann irgendwann als hüftlahme Mischung aus "Blade" und, naja, Pixars "Monster AG" entpuppte, ist mein Minimalinteresse endgültig erloschen. Laaaangweilig.
    3/10


    Film Noir
    Schon besser, aber auch nicht wirklich toll. Mit den teilweise doch etwas 'preisgünstig' und ungelenk wirkenden Animationen konnte ich ganz gut leben, das Post-"Sin City"-Noir-Flair fühlt sich nicht übel an, die Musik passt, und die Geschichte macht eine ganze Zeit auch durchaus Spaß. Mit der Zeit bekommt der Film aber gehörige dramaturgische Probleme, die Plotentwicklung wird arg zäh, und an der in den besten Momenten durchaus hübschen Optik hat man sich bis dahin dann auch satt gesehen bzw. einen kritischeren Blick entwickelt. War jedenfalls überrascht, dass der Film laut FFF-Website 97 Minuten geht, für mich fühlte sich der deutlich länger an, und das heißt selten was Gutes. Für Noir-Freunde und Animations-Fans aber einen Blick wert.
    5,5/10

  16. #16
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    02.11.01
    Beiträge
    659

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    ...weil nicht mehr viel Zeit bis zum heutigen Startschuss bleibt mach ich's mal kurz:

    black sheep (6,5)
    the ferryman (4,5)
    mushishi (8)
    oss 117 - cairo, nest of spies (8,5)
    the bothersome man (7,5)
    le serpent (9)

    gut zu wissen, dass der 'deaths of ian stone' eher mal in die hose gegangen ist - kann
    ich mir den gleich streichen. bei 'film noir' komm ich jetzt auch eher mal heftig ins grübeln ... schaun mer mal

  17. #17
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    28.12.02
    Beiträge
    7.584

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    du kommst ins grübeln weil du eine negative kritik in einem internet forum gelesen hast.. keine eigene meinung?

  18. #18
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    18.07.04
    Ort
    Stuttgart
    Alter
    32
    Beiträge
    1.866

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    STUCK

    Kenne von Gordon ja bisher nur seinen RE-ANIMATOR, dem STUCK in Sachen Schwarzhumorigkeit und Aberwitzigkeit in nichts nachsteht. Klar, eine Splatterorgie darf man hier nicht erwarten, aber darum geht es hier auch gar nicht (außerdem gibt es dennoch genug schmerzhafte Szenen). Gordon schafft es immer wider, ein Gagfeuerwerk nach dem anderen abzufeuern, ins Slapstickhafte driftete er dabei aber zu keiner Sekunde ab. Immer wenn man denkt, die Pointe habe bereits stattgefunden, setzt er dem Ganzen noch eines drauf und belehrt uns eines besseren. Dabei spielt Suvari so gut wie nie, denn ohne sie wäre der Film wohl nur halb so gut.

    Es ist aber ganz einfach auch die freche und äußerst erfrischende Idee, mit der Gordon zu Werke geht. Ein erfolgloser Normalbürger, der angefahren wird und in der Windschutzscheibe stecken bleibt - und das sogar für einige Tage -, ist alles andere als eine Nummernrevue. Schön auch, dass STUCK somit auch zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise vorhersehbar ist, denn wenn man weiß, dass dieser Mann einen schön schwarzen Humor hat, dann ist in seinem Film auch alles möglich. Es ist ein Paradoxon, dass Gordon bei seiner Hauptfigur schafft: kann sie in ihrem Berufsleben den Hilfsbedürftigen nicht genug helfen, so verhält es sich im Privatleben exakt gegenteilig.

    Als Identifikationsfigur funktioniert Stephen Reas Charakter natürlich nahezu perfekt, denn man kann sich nur zu gut in seine Lage hineinversetzen, die schlimmer nicht sein könnte. Seine Handlungen sind nachvollziehbar, absolut menschlich und somit ist er quasi ein Archetyp für das Unfallopfer (auch wenn die wenigsten Unfälle wohl so "glatt" ausgehen, dass man den Aufprall überlebt). Der Schluss bildet dann zwar den absoluten Höhepunkt, kommt aber leider viel zu plötzlich und schnell daher. Trotzdem, das bisherige Highlight des Festivals. (8/10)
    (http://www.equilibriumblog.de/wordpress/?p=258)


    TO SIR, WITH LOVE

    Im Osten nichts Neues. Okay, die Idee der bösen Lehrerin, die ihre Schüler malträtierte, nun eine Reunion veranstaltet und damit die ganzen alten Erinnerungen der Schüler heraufbeschwört, ist vielleicht nicht gerade die abgenudelste, aber im Prinzip auch nur Mittel zum Zweck. Gesplattert wird, ja, aber lange nicht so derb, wie man im Vorfeld des Öfteren lesen oder hören konnte. Das Prinzip ist das wohl gängigste und konventionellste: alle werden schön nacheinander vom Killer geholt und bekommen die Strafe, die sie "verdienen". Garniert mit einigen recht netten Twists und viel koreatypischem Melodrama gen Ende, bleibt unterm Strich aber an ordentlicher, handwerklich solider Splatter aus Korea, der für die übrige Filmografie des Landes doch eine gewisse Sonderstellung einnimmt. (6-7/10)
    (http://www.equilibriumblog.de/wordpress/?p=260)

  19. #19
    heartless creature
    Registriert seit
    03.01.05
    Ort
    Frankfurt
    Alter
    34
    Beiträge
    2.426

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Zitat Zitat von Grammaton Cleric Beitrag anzeigen

    TO SIR, WITH LOVE

    ...

    6-7/10

    (http://www.equilibriumblog.de/wordpress/?p=260)
    Du bist einfach zu nett

  20. #20
    Registrierter Benutzer
    Registriert seit
    18.07.04
    Ort
    Stuttgart
    Alter
    32
    Beiträge
    1.866

    AW: Fantasy Filmfest 2007 Reviews und Meinungen

    Zitat Zitat von Mr.Vengeance Beitrag anzeigen
    Du bist einfach zu nett
    Tja, kann ich nix für...

Seite 1 von 22 1234511 ... LetzteLetzte

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Fantasy Filmfest 2007 auf DVD
    Von shadybunch im Forum Fantasy Film Fest
    Antworten: 50
    Letzter Beitrag: 18.08.09, 11:00:38
  2. Fantasy Filmfest 2008 - Reviews und Meinungen
    Von Bewitched240 im Forum Fantasy Film Fest
    Antworten: 368
    Letzter Beitrag: 14.09.08, 20:40:04
  3. Fantasy Filmfest Nights 2007
    Von Bewitched240 im Forum Fantasy Film Fest
    Antworten: 81
    Letzter Beitrag: 22.01.08, 16:49:24
  4. Fantasy Filmfest 2007
    Von Bewitched240 im Forum Fantasy Film Fest
    Antworten: 240
    Letzter Beitrag: 09.08.07, 11:21:09
  5. Fantasy Filmfest 2006 - Reviews und Bewertungen
    Von Bewitched240 im Forum Fantasy Film Fest
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 13.07.06, 10:05:20

Lesezeichen

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •